Text und Meinung: Isabelle Sandow. Dieser Text wurde mit ihrer freundlichen Genehmigung von ihrem Blog raubmordkopiert.

Ahoi liebe Bürgerinnen und Bürger.

Ich als Transsexuelle betrachte unseren Zeitgeist so manches mal mit äusserster Skepsis.

Ein riesiger Geschlechterkampf wird derzeit unterschwellig inszeniert und mit diesem unlösbaren Problem,
dem Unterschied zwischen Mann und Frau, werden sie alle gut bei Laune gehalten.

Wollen sie eine starke, egoistische, strikte, scheinbar männliche Regierung?

Oder wollen sie lieber eine weichere, soziale, offene, also eher weibliche Regierung?

Genau dieser goldene Zankapfel findet sich auch in der Piratenpartei wieder.

Nur leider passen wir aufgrund der Vielfalt in der Piratenpartei nicht so gut in dieses Schema.

Darum möchte man uns gern in ein Tutu zwängen und berichtet nur über Dinge die man irgendwo
in den feministischen oder maskulinistischen Extremen findet.

Über www.openantrag.de wird zum Beispiel nie berichtet, dabei ist dies unsere Kernkompetenz nach der man auch unsere Politik bewerten sollte.

Die Frage ob wir ein Frauen oder Männerproblem hätten wird uns aber ständig aufs Brot geschmiert.

Das Problem ist, und das kann ich ihnen aus Erfahrung sagen, sowohl die Männerwelt
als auch die Frauenwelt, sind beide gleichermaßen furchtbar.
Und es kann keine Seite für sich beanspruchen DEN Weg zu kennen oder die bessere Seite zu sein.

Dieser Streit bringt nichts. Darum haben wir bei der Piratenpartei auch gesagt wir möchten
Post-Gender sein.

Nicht etwa weil wir die Probleme ausblenden wollen, sondern weil wir wissen, dass der Geschlechterkampf nicht nur unlösbar sondern für die Gerechtigkeit absolut nicht förderlich ist.

Die Frauenquote zum Beispiel ist mehr Politikum als Gleichstellung.

Unser Grundgesetz besagt nicht ohne Grund das sowohl niemand benachteiligt
als auch niemand bevorzugt werden darf. Damit bricht die Frauenquote mit dem
Gleichbehandlungsgrundsatz der Menschenrechte obwohl sie symbolisch für Gleichstellung steht.

Hängt ihnen dieses binäre Schwarz-Weiss-Denken, in das sie sich ständig hineinpolarisieren sollen,
nicht auch gewaltig zum Halse raus?

Wird irgendwo noch diskutiert, wie man die Ungerechtigkeit beseitigen kann, das Menschen für ein und die selbe Arbeitsstelle
unterschiedliche Gehälter erhalten?
Nein, es wird jede Debatte mit “Frauenquote oder nicht” abgebügelt…

Bitte entschuldigen sie, dass ich so sehr auf den klassischen Stereotypen herumreite, aber
müssen wir uns da für die weibliche Kraft der Gemeinschaft oder die männliche Kraft des einzelnen entscheiden?
Ist es nicht möglich einen fairen, respektvollen Rahmen zu schaffen in dem sich beide Seiten gleichwertig entfalten können?

Am kommenden Sonntag haben sie nun die Wahl zwischen Steinbrücks Ficker und Merkels Handfotze.

Mit einem gigantischen, unlösbaren Geschlechterkampf werden die Probleme unserer Zeit erschlagen.

Gerechtigkeit gibt es trotzdem nicht, egal ob rot oder schwarz.

Wir Piraten möchten alle gleichwertig an Politik beteiligen und ihnen allen eine Plattform geben.

Eine Plattform auf der sie sehen können wer die Verantwortung für ihr Freud und Leid trägt.
Eine Plattform auf der sie direkt eine Stimme haben, die auch dort ankommt wo sie gehört werden muss.

Auch wenn von uns ein Bild gezeichnet wird, das vermuten lässt wir seien alles Feministen.
Das stimmt nicht.

Wir bewegen uns ausserhalb dieser Zweigeschlechterwelt,
weil wir Politik für alle und mit allen machen wollen.

Wir möchten, dass die Menschen sich frei am Wissen der Gesellschaft bilden können.
Wir möchten, dass endlich wieder Aufklärung stattfindet, die uns auf unser Leben vorbereitet
und uns nicht zu perfekt funktionierenden Zahnrädern schleift.

Und wir wissen, dass die Technik dazu bereit ist.

Die Frage ist, sind es die Menschen auch?

Sind sie es?

Oder möchten sie lieber weiterhin in eine trübe Zukunft blicken?

Milliarden für Milliarden werden für die Überwachung und die Rettung von parasitären Machtstrukturen
ausgegeben, die sich selbst nichteinmal an ihre eigenen Regeln halten.

Warum wird das Geld nicht für echte Beteiligungsmöglichkeiten und Aufklärung ausgegeben?
Jetzt wo wir Piraten in der Politik angekommen sind schwafelt jeder gern von Transparenz.
Wir Piraten sind transparent und haben gelernt das Transparent ohne Nachvollziehbarkeit nichts bringt.

Ein Gesetz zur Bekämpfung von Korruption wurde vor kurzem von der CDU abgelehnt.
Die Menschen die Nachweislich in Schmiergeldaffairen verwickelt waren entscheiden sich dafür
das Korruption nicht bekämpft werden soll. Tolle Wurst.

Jetzt haben wir die Überwachung.
Der gläserne Bürger ist Realität.

Nun, dann bekämpfen wir doch endlich die wahren Terroristen mit ihren eigenen Waffen und ziehen
dieser Kaffekränzchenregierung mal gründlich die Hosen runter.

Auch wenn es warscheinlich kein schöner Anblick wird, wir können uns nicht ewig vor dieser bitteren realität drücken und uns einreden uns ginge es ja so gut wie nie zu vor.

Im internationalen Vergleich geht es uns sehr gut, aber wird das auch so bleiben?

Diese Kopf in den Sand Strategie ist fatal.

Ich habe keine Angst vor heute, ich mache mir grosse Sorgen um Morgen.

Nicht nur wegen der Überwachung und der fortschreitenden Gleichschaltung der Medien.
Nein, Frau Merkel als auch Herr Steinbrück betreiben den Ausverkauf unseres wirtschaftlichen Fundamentes.

Bildung, Gesundheit, Kommunikation, Busse und Bahnen sowie Wasser und Energie sind keine Märkte!
Sie sind die Grundversorgung auf der Märkte entstehen.
Dieses Fundament zu verhökern ist das dümmste was man tun kann.

Lieber Mittelstand, investieren sie in eine Zukunft im Haifischbecken. Wählen sie schonwieder ihre eigenen Henker, indem sie die amtierenden Vertreter erneut in Lohn und Brot wählen, damit diese auf der Gehaltsliste anderer stehen und das Fundament unseres Landes den Global Playern zum Fraß vor werfen.

Natürlich soll auch jeder seinen Luxus kriegen wenn er denn dafür bezahlt.
Ich bin auch keine Planwirtschafterin sondern lobe mir einen fairen Wettbewerb.

Aber wer möchte denn an einem Wettbewerb teilnehmen, bei dem der Schiedsrichter korrupt ist und das Spiel schon vor dem Anpfiff entschieden wurde?

Wundert es da noch einen, das mehr und mehr Leute in Depressionen versinken als sich dem korrupten Schlachtfeld hinzugeben?

Existenzangst ist die Triebfeder mit der wir zur Konformität geprügelt werden.
Das ist kollektive Körperverletzung.
Damit wir alle mitspielen in einem Spiel das wir nicht gewinnen können.

Und die grossen Verlage und Medienhäuser mischen alle kräftig mit, denn auch ihre Macht
wird von einer freiheitlichen Bewegung wie den Piraten bedroht.

Da werden dann schon vor der Wahl alle klein und kaputtgeredet die einem problematisch werden könnten.
Und es wird der Mythos vom perfekten Menschen mit blütenweisser Weste aufrecht erhalten,
obwohl wir alle Wissen, das Macht korrumpiert und sowieso alle nur mit Wasser kochen.

Korruption wurde durch die grossen Parteien dieser Zeit wieder Salonfähig gemacht.
Wo ein finanzschwerer Steuerhinterzieher beim Championsleague Finale der Kanzlerin noch die Hand schütteln darf,
anstatt hinter Gittern zu sitzen und wir alle überwacht werden, aber es wird so getan als würde das niemanden interessieren.

Wem, wenn nicht der Gesellschaft sollte die Politik ein Nutzen sein?
Grosskonzernen? Den meist-bietenden? Denen die sowieso schon grossen Einfluss haben und nach noch mehr Macht streben?

Ist das ein fairer Wettkampf? Brauchen wir wirklich mehr Sicherheit vor den Taliban
oder sind es die herrschenden Machtkonstrukte die nur versuchen sich selbst zu schützen
und dabei das Image der freien westlichen Welt vorgaukeln?

Wo sie doch genau wissen, das sie selbst die grössten Verbrecher unserer Zeit sind.

Eine Welt in der es keine Regeln mehr braucht ist meine Utopie.
In der Menschen von sich aus Recht und Gerechtigkeit leben,
ohne das man ihnen auf die finger hauen muss.

Da sind wir noch weit von entfernt, aber da bin ich gerne romantische Idealistin,
denn was diesem inszenierten Geschlechterkampf gehörig fehlt, ist das Herz und die Politik aus Überzeugung.

Was bleibt sind zwei Roboter, die so tun als ob sie Mann und Frau seien.

Am 22. September den Aufbruch in ein neues Zeitalter wählen und das Kreuz bei den Piraten setzen

Isabelle Sandow
Isabelle Sandow (Foto: Tobias M. Eckrich)

1 Kommentar zu “Ich nehme das Tütü nicht an

  1. Leeve Isabelle,

    Danke, Du hast es auf den Punkt gebracht.

    Leider: Wer zur Fortsetzung und Stärkung seiner Macht die Macht hat, der macht das – oder lässt das machen!

    Dies zu ändern, bedarf es Parteien und Kandidaten, die sich nicht korrumpieren lassen.
    Wir Piraten wollen eine solche Partei sein.

    Aber: Zu oft vergessen wir, dass mit jedem Fingerzeig auf andere auch drei Finger auf uns zeigen. Hoffentlich bricht dies uns nicht das Genick der Glaubwürdigkeit.

    Nochmals Dank für Deine umfassende Darstellung.

    VG Horst

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