Text: Ralph Würfel
Fotos: Michael

Nachdenken über das bedingungslose Grundeinkommen

Am heutigen 1. Mai, dem Internationalen Tag der Arbeit, war auch die Piratenpartei Bielefeld unterwegs, und zwar in Sachen bedingungsloses Grundeinkommen (bGE). Ausgestattet mit frisch gedruckten Flyern  (und mit Rückenstärkung durch den Landtagsabgeordneten Michele Marsching) gingen wir in Gespräche mit Bürger_innen. Ich fragte dabei die Menschen nicht, ob sie vom bGE gehört hätten oder was sie davon hielten. Ich fragte vielmehr, ob sie mal über das bGE nachgedacht hätten.

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Diese Frage wurde zumeist mit „Nein“ beantwortet. Das war natürlich auf einer Gewerkschaftskundgebung nicht weiter verwunderlich, stemmen sich doch gerade die Gewerkschaften gegen ein bGE. Und es zeigt, wie stark die Denkmuster des 20. Jahrhunderts mit den Schlagwörtern von Vollbeschäftigung, Leistung, Wachstum oder gar Klassenkampf noch in den Köpfen verankert sind. Anstatt den Begriff und die Formen der Arbeit in ihren aktuellen Realitäten wahrzunehmen und zu gestalten, wird nach wie vor von den Institutionen der ehemaligen „Arbeiterbewegung“ ideologische Schablonenhaftigkeit praktiziert.

Dabei ist es dringend geboten, dass wir über die Ausgestaltung einer Gesellschaft nachdenken, in der Einkommen und Arbeit zunehmend auseinanderdriften. Immer mehr Menschen suchen – einerseits freiwillig, andererseits gezwungenermaßen – ihr Einkommen jenseits abgesicherter Vollzeitbeschäftigungsmodelle, und flexible Lebens- und Arbeitsmodelle brauchen eine flexible Einkommensgestaltung. Eine Möglichkeit, laut darüber nachzudenken oder sich einfach nur zu informieren, bietet die Piratenpartei am 3. Juni an: im Rahmen einer Podiumsdiskussion in der VHS informieren und reden Prof. Dr. Leisering (Uni Bielefeld), Werner Rätz (attac) und Torsten Sommer (MdL) über das bGE. Aktive Publikumsbeteiligung ist ausdrücklich erwünscht.

BGE

Das bedingungslose Grundeinkommen wird kommen, daran ist kein Zweifel. Die Frage ist nur, wie wir es ausgestalten und umsetzen. Je früher wir in eine gesamtgesellschaftliche Debatte darüber treten, umso mehr Spielraum haben wir dabei. Wir sollten ihn nutzen, denn Demokratie lebt von der aktiven Teilhabe aller Bürger_innen.

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